Rezension: Der Spieler von Fjodor Dostojewski

Als ich mir letzten Monat Der Spieler von Fjodor Dostojewski gekauft habe, habe ich nicht damit gerechnet, es so bald schon zu lesen. Doch als ich letztens vor meinem Bücherregal stand und überlegte, was ich denn als nächstes lesen sollte, fiel meine Wahl auf genau dieses Buch – um genauer zu sein, auf diesen Klassiker. Zwar habe ich das Buch nicht nach zwei Tagen schon durchgelesen gehabt, sondern wohl eher nach etwa fünf Tagen, gefallen hat es mir aber dennoch unglaublich gut!

Autor: Fjodor Dostojewski, 224 S., Marix Verlag, erschienen im: August 2015, Einband: Hardcover, Neupreis: 6,00€, Originaltitel: Игрок

In der fiktiven Stadt Roulettenburg wartet ein hochverschuldeter General im Kreise seiner Familie und einiger Gläubiger auf das Erbe seiner reichen Tante. Das Geld soll ihn von seinen Schulden befreien und eine Heirat mit der gut betuchten Mademoiselle Blanche in die Wege leiten. Doch die Tante denkt nicht daran das Zeitliche zu segnen. Aus verzweifelter Liebe zur Tochter des Generals kann der junge Hauslehrer Aleksej Iwanowitsch ihre Bitte nicht ausschlagen im Kasino sein Glück zu versuchen, um das Geld für die Schulden zu erstehen. Doch Polina nutzt den Liebesblinden nur aus und treibt ihn darüber hinaus in die gefährliche Spielsucht. Aleksej erkennt sich in diesem Teufelskreis selbst kaum wieder und verfällt der dunklen Seite seiner Seele. In all ihrer Komplexität und voller Empathie schildert Dostojewski in diesem stark autobiographisch geprägten Roman die Abgründe der Spielleidenschaft.

Bereits am Titel lässt sich erkennen, dass es sich in diesem Roman um das Glücksspiel handelt. Es wird auf die Frage eingegangen, wieso Menschen sich darauf einlassen und warum sie es danach nicht mehr lassen können. Eine große Rolle – wohl auch die wichtigste – spielt hierbei das Geld. Viele Menschen sind von der Spielsucht betroffen, sowohl alte als auch junge, was man auch in dieser Erzählung erkennen kann.
Der Protagonist Alexej Iwanowitsch ist ein Utschitel, ein Hauslehrer, der in seiner Tätigkeit kein besonderes Ansehen oder großes Vermögen genießt. Anfangs ist er ein überzeugter Gegner des Glücksspiels, auch wenn er sich der Verlockung zu spielen bewusst ist, doch er kann ihr widerstehen. Dies ändert sich jedoch, als er sich letztendlich doch dazu entschließt, zu spielen. Das Glücksspiel verändert ihn so stark, dass ehemalige Freunde ihn kaum widererkennen.

Einen Großteil der Handlung verbringt man im Kasino, während die einen oder anderen Charaktere ihr Glück beim Spiel versuchen. Da ich mich damit nicht auskenne, war es auf der einen Seite natürlich sehr interessant, mal „mitten im Geschehen“ bei einem Glücksspiel dabei zu sein, andererseits konnte ich oft nicht verstehen, was die Menschen wieder dorthin zurückzog, wo sie schon mehr oder weniger gewaltige Verluste erlebt haben. Sehr deutlich wurde dadurch aber die Geldgier der Menschen und dass die Menschen (fast) alles dafür geben würden, Reichtum zu erlangen.

An dem Roman fand ich aber auch all die vielseitigen und gut ausgearbeiteten Charaktere sehr interessant. Da war beispielsweise Miss Polina, die von dem Protagonisten verehrt und geliebt wurde, obwohl sie ihn herablassend und oft gemein behandelt hat. Wie sich herausstellte hat sie ihn jedoch die ganze Zeit über auch geliebt, so unglaubwürdig das auch schien.
Die Großtante, deren Tod von ihrer Verwandtschaft sehnlichst herbeigewünscht wurde, um endlich ihren Besitz erben zu können, war ebenfalls eine interessante Persönlichkeit, die definitiv für Vielseitigkeit gesorgt hat.
Es gab aber auch noch andere Charaktere, die viel zur Spannung beigetragen haben und das Leseerlebnis noch lesenswerter gemacht haben.

Ansprechend war außerdem der Fakt, dass dieses Buch viele autobiographische Züge aufweist, man also die Handlung teilweise auf das Leben Fjodor Dostojewskis beziehen kann. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Schreiben dieses Buches ihm sehr zum Verarbeiten seines Lebens als Spieler geholfen hat, auch wenn er sich mit dem Schreiben nicht besonders Mühe gegeben hat (wie man dem Nachwort entnehmen kann), sondern das Buch sehr kurzfristig geschrieben und zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Der Spieler ist, wie ich finde, ein sehr gelungener Roman, in dem sich der Autor auf interessante Weise mit dem Thema „Glücksspiel“ auseinandersetzt und von verschiedenen Seiten darauf eingeht. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und denke, dass es eine sehr tiefgehende Geschichte erzählt, die wenigstens ein zweites Mal gelesen werden sollte, um sie gänzlich zu durchdringen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sterne.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s