Rezension: Die Sanfte von Fjodor Dostojewski

Mit jedem neuen Buch von Fjodor Dostojewski, welches ich lese, merke ich immer wieder, was für ein großartiger Autor er ist bzw. war und wie gerne ich seine Bücher lese. Die Themen, die er anspricht, haben an Aktualität bis heute nicht viel eingebüßt und seine Geschichten lassen sich wunderbar lesen. Außerdem geht er in seinen Büchern viel tiefer, als sich auf den ersten Blick sagen lässt. Diese Tiefgründigkeit und genaue Auseinandersetzung mit der Thematik und vor allen den Charakteren macht das Lesen besonders spannend.

Autor: Fjodor Dostojewski, 80 S., Anaconda Verlag, erschienen am: 31. Januar 2010, Einband: gebunden, Neupreis: 3,95€

»Denken Sie sich einen Mann, der vor der Leiche seiner Frau steht, einer Selbstmörderin, die sich erst vor wenigen Stunden aus dem Fenster gestürzt hat.« Fantastisch und realistisch zugleich ? so bezeichnet Dostojewski im Vorwort seine meisterhafte Erzählung »Die Sanfte«, 1876 erschienen. In einem inneren Monolog lässt er den Witwer sein Leben überdenken: An Leid und Gram und Schuld zerbrochen, ist er ebenso sehr Opfer wie Täter. Ein ergreifendes Stück Weltliteratur über Verletzlichkeit und Rachsucht, über späte Reue und die schmerzliche Plötzlichkeit der Liebe.

Fjodor Dostojewski hat mit seinem Buch Die Sanfte eine kurze Erzählung erschaffen, die von einem älteren Mann handelt, der in seinem Leben bisher nichts sehr Großes erreicht, dafür aber umso Erniedrigenderes erlebt hat. Durch seine Arbeit als Pfandkeiher lernt er ein fast sechzehnjähriges Mädchen kennen, welches er letztendlich heiratet. Sie willigt in die Heirat ein, weil sie meint, somit dem schlimmen Leben bei ihren Tanten zu entkommen.

Die erste Zeit in ihrer Ehe scheint geprägt von Glück und Freude zu sein, doch nach und nach schwinden diese positiven Gefühle, das Leben wird düsterer und erdrückender. Man erfährt, dass der Mann das Mädchen geheiratet hat, um sich einen Freund zu erziehen, eine Person, die nur zu ihm gehört. Um dies zu erreichen, behandelt er sie mit Gleichgültigkeit und Strenge. Dadurch wird das junge Mädchen immer verschlossener und es kommt schließlich dazu, dass sie ihn in gewisser Weise nur noch duldet.

Der Mann war mir während der gesamten Handlung nicht besonders sympathisch. Er war auf der Suche nach jemandem, der ihm gegenüber machtlos ist und in dem jungen Mädchen hat er das „perfekte Opfer“ dafür gefunden. Seine Motive, die ihn zu der Heirat mit dem Mädchen gebracht haben, waren nicht selbstlos. Er hatte nicht vor, sie „nur“ von ihren bösen Tanten zu befreien, vielmehr wollte er, dass sie seine Frau wird, damit er seine Macht über diese ausüben konnte. Es kommt der Zeitpunkt, an dem das junge Mädchen ihr Leben an seiner Seite nicht mehr aushält und sich selbst das Leben nimmt.

Nach ihrem Tod merkt der Mann, nachdem er ihr gesamtes gemeinsames Leben an seinem inneren Auge vorbeiziehen lässt, was seine Fehler waren. Sie hätten mehr miteinander reden sollen, er hätte sie nicht so behandeln sollen, wie er es für richtig hielt. Doch jetzt ist es zu spät und er empfindet Reue. In dieser Geschichte lässt sich die „Verwandlung“ des Mannes ganz gut erkennen.

Dieses kleine Büchlein habe ich recht schnell durchgelesen. Es hat mich interessiert, wie es denn weitergehen würde in der Ehe der beiden Leute, ob es denn positive Entwicklungen geben würde. Die Hoffnung, dass es wieder besser mit ihnen laufen würde, habe ich bis zum Schluss nicht aufgegeben, obwohl der Autor bereits im Vorwort vor einem „schlimmen“ Ende warnt. Eine sehr beeindruckende Erzählung, die von mir 4 von 5 Sterne bekommt.

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