Rezension: Als der Himmel zerriss von Stephanie Rapp

Gestern Abend war ich noch ganz am Anfang von Als der Himmel zerriss von Stephanie Rapp und mein Plan war, den heutigen freien Tag dafür zu nutzen, dieses Buch durchzulesen. Nur ist es so gekommen, dass ich gestern nachts bereits schon über die Hälfte durchgelesen und heute die restlichen etwa 150 Seiten beendet habe. Es fiel mir sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen. So ein Buch, das mich so richtig, voll und ganz, mitreißen konnte, habe ich schon längere Zeit nicht gelesen.

Autorin: Stephanie Rapp, 480 S., SCM Hänssler Verlag, erschienen am: 22.09.2016, Einband: gebunden, Neupreis: 18,95€

Irland 1845: Der Konflikt zwischen Protestanten, Katholiken und Methodisten eskaliert und das Land stöhnt unter der großen Hungersnot. Die großen Ideen der Reformation scheinen vergessen in Zeiten des Krieges und des Hasses. Auch die Grundbesitzerin Emily gerät zwischen die Fronten, denn sie liebt einen Mann, den sie nicht lieben darf.
Als Emily ihr Erbe verliert, muss sie Irland verlassen. In Van Diemen’s Land (heute Tasmanien) kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur und entdeckt, dass Liebe alle Mauern überwinden kann, die die Menschen errichtet haben.
Die historische Liebesgeschichte zwischen Julie Klassen und Downton Abbey zeigt, was für Auswirkungen die Reformation auch noch Jahrhunderte später hatte.

Was mich natürlich angesprochen hat, war die Anspielung auf Julie Klassen im Klappentext, denn ihre Bücher lese ich unglaublich gerne. Als ich dann aber zu lesen angefangen habe, habe ich Parallelen zu einem ganz anderen, sehr bekannten Roman finden können – zu Scarlett von Alexandra Ripley, dem Folgeband von „Vom Winde verweht“. Beide Bücher habe ich bereits vor einigen Jahren gelesen und beide haben mir außerordentlich gut gefallen, so auch Als der Himmel zerriss.

Im Vordergrund der Handlung steht die junge Frau Emily, die mit ihrem Vater nach Irland zieht. Doch das arme, schreckliche Leben, auf welches sie dort trifft, ist für sie eine große Überraschung, denn sie ist ein komfortables und wohlhabendes Leben gewohnt.
Die Armut in Irland im 19. Jahrhundert war den Beschreibungen im Buch zufolge sehr schlimm. Da die Autorin im Nachwort darauf hinweist, dass sie sehr gründliche Recherche betrieben hat, glaube ich, dass die Beschreibungen (leider) zutreffend sind. Allein schon durch das Lesen mitzuerleben, wie die Menschen und Kinder dort am Verhungern und Erfrieren waren, war – gelinde ausgedrückt – sehr unangenehm, wie viel schrecklicher wird es damals in Wirklichkeit gewesen sein?
Die Herzlosigkeit der reich(er)en Leute war ebenso grausam. Diese haben sich kein Bisschen um das irische Volk geschert, dafür aber umso mehr Pacht- und sonstige Zahlungen verlangt, immer mit Blick auf das eigene Wohl.
Aufgrund von Streitfragen bezüglich der verschiedenen Konfessionen hatten irische Kinder noch nicht einmal das Recht, geschweige denn die Möglichkeit, auf Bildung.

In diesem Buch wird die Kluft zwischen Arm und Reich besonders deutlich. Diese ist vor allem der Grund, weshalb Emily, die im Laufe der Handlung zur rechtmäßigen Großgrundbesitzerin wird, und der irische, „einfache“ Landsmann Brendan nicht einfach heiraten und ein gemeinsames Leben führen können – wie sie glauben. Es vergeht eine lange Zeit und es geschehen viele verschiedene Ereignisse im Leben der beiden, bis sie begreifen, dass der Rang eines Menschen nicht ausschlaggebend für wichtige Entscheidungen ist bzw. sein sollte.

Mit der Zeit lernt Emily, die Bibel nicht einfach nur als ein klassisches Buch, welches man gelesen haben sollte, zu betrachten. Sie lernt, sich in das Wort Gottes zu vertiefen und Gott dadurch zu ihrem Herzen sprechen zu hören. Wo sie anfangs noch eine rebellische Beziehung zu Gott hatte, wird diese zum Ende hin fest und vertrauensvoll, denn sie hat gelernt, sich in Schwierigkeiten, aber auch in fröhlichen Zeiten, Seiner Hand zu überlassen.

„Ehrfurcht überkam sie. Die Welt hielt den Atem an. Sie war still, alles in ihr schwieg. Regungslos stand sie da, aufgewühlt und verwirrt. Langsam merkte sie, dass hier etwas Großes geschah. Der große Gott war im Begriff, etwas zu tun. Hier stand sie am Meer, aber in Wirklichkeit stand sie vor einem König, vor einer Persönlichkeit, die mehr Ehrfurcht und Respekt als alles verdiente.
Groß, majestätisch, erhoben. Alles, was jemals geschaffen wurde, trat zurück vor diesem Wesen. Alles beugte sich in seinen Schatten. Hier stand sie am Meer, aber in Wirklichkeit stand sie vor dem einzigen Gott. Ihr Geist machte Luftsprünge und wollte sich niederwerfen. Sie wollte auf die Knie fallen und schweigend anbeten.“
– S. 257f.

Ich habe es, ehrlich gesagt, nicht erwartet, dass dieses Buch mich so sehr mitreißen würde können, doch so ist es tatsächlich gewesen. Ich wollte nicht aufhören, zu lesen. Es ist auf jeden Fall ein Buch, welches einen zum Nachdenken bringt, welches einem die schreckliche Seite des Lebens zeigt, auf der anderen Seite aber auch Hoffnung – in Gott – schenkt.
Von mir gibt es volle 5 von 5 Sterne, denn es ist definitiv ein lesenswertes Buch und ich wünsche mir, dass es noch von vielen Menschen gelesen wird!

Advertisements

2 Gedanken zu “Rezension: Als der Himmel zerriss von Stephanie Rapp

  1. Hallo liebe Buchbloggerin!
    Mein Verlag hat mich gerade auf deinen Blog aufmerksam gemacht. Total interessant und superschön aufgemacht! ich werde bestimmt öfters vorbeischauen.
    Vielen lieben Dank für deine Rezension zu „Als der Himmel zerriss“!

    Liebe Grüße
    Stephanie Rapp

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s