Rezension: Der Professor von Charlotte Brontë

In der siebten oder achten Klasse habe ich zum ersten Mal Jane Eyre gelesen und seitdem zählt es zu meinen liebsten Büchern. Es ist außerdem eines der wenigen Bücher, die ich schon wiederholt gelesen habe. Jahre später habe ich nun ein zweites Buch von Charlotte Brontë gelesen, nämlich Der Professor, diesmal aus der Sicht eines männlichen Protagonisten, William Crimsworth. Ich habe es gerne gelesen, auch wenn die Handlung keine besonders hohen Spannungsbögen aufzuweisen hatte, vielmehr war es eine ruhige und, wie man so sagt, vor sich hin plätschernde Geschichte, die sich über mehr als zehn Jahre hinzieht. Aber eine berührende Geschichte.

Autorin: Charlotte Brontë, 372 S., insel taschenbuch Verlag, erschienen am: 08.12.2014, Einband: Taschenbuch, Neupreis: 10,00€, Originaltitel: The Professor

Nach dem Tod der Eltern geht der junge William Crimsworth nach Brüssel und tritt dort eine Stelle als Lehrer an der von Mademoiselle Reuter geführten Mädchenschule an. Obwohl sie älter ist als er, verfällt er in Schwärmereien und malt sich eine gemeinsame Zukunft mit ihr aus. Bis er ein Gespräch überhört, das ihre Verlobung mit einem anderen Mann offenbart. Ernüchtert wendet William sich von ihr ab. Doch als er sich einige Zeit später in die junge Lehrerin Frances Henri verliebt, schürt dies den Unmut von Mlle Reuter, die gekränkt versucht, einen Keil zwischen das junge Glück zu treiben …

Was dieses Buch unter Anderem interessant macht, ist, dass es einige Parallelen zu Brontës eigenem Leben aufweisen soll. So war auch sie in einen Professor verliebt, nur wurden ihre Gefühle, im Gegensatz zu dem Paar im Buch, nicht erwidert.
Die Stimmung ist während des gesamten Buches recht düster und nachdenklich sowie ein wenig melancholisch. Für mich war dies aber durchaus kein Problem, denn manchmal ist mir einfach nach so einem Buch, und so war es auch, als ich dieses Buch gelesen habe.

Der Protagonist William war ein, ich würde fast sagen, etwas eigenartiger Mensch. Beschrieben wurde er als ein nicht besonders gut aussehender, dafür aber intelligenter Mann. Zu Beginn hatte er es nicht einfach, ein angenehmes Leben zu führen, denn als anfangender Kaufmann waren seine finanziellen Mittel begrenzt und dazu musste er auch noch die Schmähungen seines Bruders über sich ergehen lassen, der im Gegensatz zu William sehr wohlhabend war. Ich habe mich sehr für William gefreut, als er die Möglichkeit erhalten hat, in Brüssel zu unterrichten.
Schwer nachzuvollziehen war für mich jedoch seine Schwärmerei für Madmoiselle Reuter, die Direktorin der Schule. Glücklicherweise war diese nicht von langer Dauer, denn bald hatte er die junge Frances Henri kennengelernt. Bis die beiden endlich zueinander gefunden haben, hat es zwar etwas gedauert, doch umso größer war die Freude, als es schließlich dazu kam.

Die Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen William und Frances war ungewöhnlich. Er war trotz seiner tiefen Gefühle sehr streng mit ihr, aber auch gütig und sie brachte ihm stets tiefsten Respekt entgegen.
Die Unterschiede zwischen der damaligen und der heutigen Zeit sind in diesem Buch ganz deutlich. Damals wurde genau darauf geachtet, mit welchen Leuten man verkehrte. Diese durften bloß nicht einer niederen Schicht angehören als man selbst. Dann unterschied man auch noch, ob man für seinen Lebensunterhalt arbeiten musste, oder ob man wohlhabend genug war, um ein Leben ohne Arbeit (für die Frauen jedenfalls) zu führen.
Die moralischen Ansichten waren damals auch „strenger“ als heute, es gab andere Grenzen, die für die Menschen wichtig waren. Auf religiöse Werte hat man ebenfalls mehr geachtet.

Dieses klassische Buch liest sich nicht unbedingt schnell, es ist auch nicht unbedingt „leichte Kost“, viel mehr muss man sich reindenken, um in der Handlung mitzukommen. Doch genau diese Art von Literatur braucht man – ich zumindest – von Zeit zu Zeit. Von mir gibt es 4 von 5 Sterne, denn es war zwar nicht spannend und aufregend, aber definitv lesenswert, dieses Buch.

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2 Gedanken zu “Rezension: Der Professor von Charlotte Brontë

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